# 7 Corona - eine Strafe Gottes?

Ist die Corona-Krise eine Strafe Gottes? Diese Frage ist mit in letzter Zeit öfter begegnet.

 

Deswegen versuche ich hier eine kurze Antwort zu geben. Als Pfarrer bin ich halt auch nur ein normaler Mensch und verfüge über kein Geheim-Wissen darüber, was denn Gottes Pläne, Gedanken und Absichten sind. Aber ich kann, so wie alle anderen, in der Bibel lesen.

 

Da stoße ich spontan auf zwei Geschichten im neuen Testament. Lukasevangelium, Kapitel 13: Jesus wird auf zwei Unglücksfälle angesprochen, bei denen viele Menschen zu Tode gekommen sind. Die Frage steht unausgesprochen im Raum: Haben sich die Opfer durch ihr Fehlverhalten selbst disqualifiziert? Selber Schuld? Ist ihr Tod ihre gerechte Gottesstrafe?

 

Jesus antwortet: "Meint ihr, dass die, die verunglückt sind, mehr gesündigt haben als die, die verschont wurden? Nein, sondern wenn ihr nicht umkehrt, werdet ihr alle auch so umkommen."

 

Jesus spekuliert hier nicht über Schuld und Strafe. Aber er ist der Meinung: das Schicksal derer, die zu Tode kamen, ermahnt die Lebenden, ihr Denken, Reden und Handeln zu überdenken.

 

Insofern können wir die Corona-Pandemie als Weckruf verstehen. Als Weckruf, der uns hilft, bedenkliche Wege zu verlassen und verheißungsvolle zu betreten. In vielen Zeitungsartikeln werden entsprechende Fragen gestellt: Ist es richtig, sich im Gesundheitswesen mehr am Profit und weniger am Bedarf zu orientieren? Brauchen wir die vielen Flugkilometer wirklich? Wieviel Konsum ist wirklich notwendig?

 

Zweite Szene: Johannesevangelium, Kapitel 9: Jesus und seine Jünger begegnen einem Mann, der von Geburt an blind ist. Da fragen die Jünger: "Meister, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, dass er blind geboren ist?" Jesus antwortet: "Es hat weder dieser gesündigt noch seine Eltern, sondern es sollen die Werke Gottes offenbar werden an ihm." Noch deutlicher als in der ersten Szene spricht sich Jesus gegen die Sicht aus, dass die erlittene Not eine Strafe für begangene Schuld sein soll. Jesus interessiert sich nicht so sehr für das, was war.

 

Stattdessen richtet er seinen Blick nach vorne. Ihn interessiert eine gute Zukunft und Heilung. An dem Blindgeborenen soll deutlich werden, wie groß und barmherzig, wie mächtig und gütig Gott ist.

 

Ursachenforschung ist wichtig - auch in der Coronakrise. Aber nicht, um Schuld zuzuweisen, sondern um besser aus der Krise herauszufinden. Christen in der Nachfolge Jesu denken und handeln zukunftsorientiert. Not ist vor allem da, um gesehen, geteilt und gewendet zu werden. Und gerade in diesen Zeiten erleben wir, dass dies möglich ist und geschieht.

 

Corona - eine Strafe Gottes?

So wie ich Jesus verstehe ist es keine Strafe Gottes. Sehr wohl aber für uns ein Impuls zur Umkehr. In Wort und Tat und in unseren Herzen. Hin zur Mitmenschlichkeit und hin zu dem Gott, der uns über die Maßen lieb hat. Der in Jesus Christus sein Gesicht zeigt. Nicht strafend, sondern liebend, vergebend, heilend und mitleidend.

 

"Ich bin der Herr, dein Arzt." 2. Mose 15,26